Warum ich meinen Beruf ausübe

Trotz der vielen unterschiedlichen Gruppen mit denen ich bisher arbeiten durfte, gibt es nach meiner Erfahrung einige Gemeinsamkeiten, die alle Kinder und Jugendliche eint:

  • Sie sind mit Begeisterung bei der Sache, wenn sie gehört, gesehen und wahrgenommen werden.
  • Auch in schwierigen Zeiten – wenn beispielsweise schlechte Noten oder Misserfolge in der Schule auftreten – wollen und müssen Kinder und Jugendliche aufgefangen und darin bestärkt werden, dass sie nicht dumm oder unbegabt sind.
  • Sie müssen, sollen und wollen in ihrer Individualität gefördert und gefordert werden.
  • Alle Kinder und Jugendliche müssen bestärkt werden, dass es sich lohnt, weiterzumachen, auch wenn „alles schief läuft“.
  • Allen Kindern und Jugendlichen mit Lernbeeinträchtigungen muss das Verständnis entgegengebracht werden, dass sie zwar andere Formen des Lernens brauchen, so aber genauso zum Erfolg kommen können.
  • Sie benötigen ehrliches Feedback und einen realistischen Plan.

Diese Erkenntnisse haben mich dazu geführt, mich mit bestimmten Lernschwierigkeiten intensiver zu beschäftigen und mich dahingehend weiterzubilden. Mit großem Interesse beschäftige ich mich laufend mit neuen Erkenntnissen und Methoden. Diese versuche ich bestmöglich in meine Arbeit zu integrieren. Kindern und Jugendlichen dabei zuzusehen, wie sie jede Woche ein Stück mehr über sich hinauswachsen und ein „Ich kann das nicht!“ in ein „Ich schaffe das!“ umwandeln, zeigt mir jedes Mal wieder, wie toll mein Beruf ist!

Was hat mich dazu bewegt, diesen Weg einzuschlagen?

Ich selbst hatte in meiner Schullaufbahn große Schwierigkeiten in Mathematik. Aufgrund der permanenten Misserfolge und Enttäuschungen habe ich irgendwann den Satz verinnerlicht „Ich kann das doch eh nicht. Es ist ganz egal, was ich tue. Ich werde das nie kapieren…“

Meine Selbstwirksamkeit war nicht mehr vorhanden (Anm.: Unter Selbstwirksamkeit versteht man in der Psychologie das Vertrauen in sich selbst, Hürden, Herausforderungen oder generell schwierige Situationen zu meistern). Deshalb ist es mein zusätzliches Ziel, neben der zugeschnittenen individuellen Förderungen, die Selbstwirksamkeit der Kinder zu stärken, indem ich sie mit einem Repertoire an Mechanismen auszustatten versuche, das ihnen im (Schul)-Alltag hilft und ihnen ermöglicht, wieder mehr Vertrauen in ihr Tun zu bekommen.

Es ist mir ein großes Anliegen, Betroffenen zu zeigen, dass sie weder dumm, faul oder krank sind und mit ein bisschen anderer Förderung ähnliche Leistungen erbringen können, wie Kinder, die keine Sinneswahrnehmungsdefizite haben.